Zur Gewohnheit verpflichten: Wirksam aber nicht immer sinnvoll

Zur Gewohnheit verpflichten: Wirksam aber nicht immer sinnvoll

 

“Ich verspreche hiermit öffentlich, dass ich spätestens in drei Monaten die Gewohnheit X ändern werde. Wenn ich es nicht schaffe, verpflichte ich mich, 5.000 Euro an eine mir höchst unsympathische Organisation zu spenden.

Mit solchen oder ähnlichen Verpflichtungen soll man laut verschiedener Gewohnheits-Ratgeber sein Ziel, eine bestimmte Gewohnheit zu ändern, sicherer erreichen können.

Soll man nicht nur, kann man auch. Es gibt einige Studien und Untersuchungen, die das getestet haben. Sie kommen alle zu dem Schluss, dass es wirkt. Verpflichtung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du das tust, was du dir vorgenommen hast. Dabei ist es egal, ob die Verpflichtung von dir selbst gewählt, oder dir von jemand anderem auferlegt wurde.

Ist es aber tatsächlich immer sinnvoll, sich zu verpflichten, nur weil es wirkt? Diese Frage wird interessanterweise kaum gestellt.

Warum funktioniert Verpflichten?

So eine Verpflichtung besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen:

  • Ein sehr konkretes Ziel, idealerweise mit einem festgelegten Datum
  • Eine Konsequenz oder Strafe, wenn man das Ziel nicht erreicht

Was es so wirksam macht, ist eine unserer stärksten Emotionen: Angst.

  • Angst vor Verlust
  • Angst vor Versagen
  • Angst vor Verachtung wegen seines Versagens
  • Angst vor Blamage, Spott und Schadenfreude
  • Angst, nicht mehr geliebt zu werden

Du weißt sicher, dass Angst dich zu Dingen antreiben kann, die du vorher nicht für möglich gehalten hättest. Indem du dich öffentlich verpflichtest, machst du dir diesen Mechanismus zu Nutze.

Ist Verpflichten wirklich immer sinnvoll?

Verpflichtung wirkt also durch Angst. Das Problem dabei ist: Angst ist eine unangenehme Emotion. Ich weiß ja nicht wie es dir damit geht, aber mir ist die Vorstellung unangenehm, ich müsste alle meine Ziele durch Angst erreichen.

Ich bin daher der Meinung, dass du dich nur sehr behutsam und dosiert zu einer Gewohnheit verpflichten solltest. Verpflichtung sollte eher die Ausnahme als die Gewohnheit sein.

Ein paar Beispiele:

  • Wenn es um wirklich viel geht
    Du hast beispielsweise eine Prüfung schon zwei mal verhaut. Beim dritten Mal muss es klappen.
  • Wenn alles andere nicht funktioniert hat.
    Die einfachen Tricks zum Ändern von Gewohnheiten ziehen bei dir nicht.
  • Positive Nebeneffekte
    Die Verpflichtung bringt noch andere Vorteile mit sich, zum Beispiel öffentliche Aufmerksamikeit.

Wie du die für dich richtige Verpflichtungs-Strategie findest

Ob und welche Art von Verpflichtung was für dich ist, hängt auch von deiner Persönlichkeit ab.

Gretchen Rubin gibt dazu in ihrem Buch “Erfinde dich neu” ein paar gute Hinweise. Laut Rubin hängt die für dich optimale Strategie hängt davon ab, wie du grundsätzlich auf Erwartungen reagierst.

Erfüllst du am liebsten …

  • die Erwartungen Anderer?
    Hier sind öffentliche Verpflichtungen die bessere Wahl.
  • eigene Erwartungen?
    Dann verpflichte dich besser nur dir selbst gegenüber.
  • alle Erwartungen?
    Du kannst es dir aussuchen.
  • gar keine Erwartungen?
    In diesem Fall sind Verpflichtungen jeglicher Art nichts für dich. Verzichte am Besten ganz darauf.

Wenn du dich anderen Personen gegenüber verpflichtest, überlege gut, wer das sein soll.

Natürlich könntest du dich sofort in aller Öffentlichkeit deklarieren. Vielleicht ist es aber besser, zunächst nur Freunden oder Familienangehörigen  davon zu erzählen. Dabei könntest du sie gleich fragen, ob und wie sich dich unterstützen können.

Verpflichtung braucht Kontrolle

Wenn du schon A sagst und dich zu einer Gewohnheit verpflichtest, dann musst du auch B sagen und eine Kontrolle vorsehen.

Achte also darauf, dass du messbare Kriterien für deine Verpflichtung aufstellst und sorge dafür, dass du sie kontrollierst. Sonst betrügst du dich nur selbst und brauchst du dich gar nicht erst verpflichten.

Eine Verpflichtung mit sich selbst reicht meistens

Gewohnheiten ändern ist etwas sehr Persönliches. Viele wollen ihre Privatsphäre nicht nach außen tragen, indem sie sich extern verpflichten.

Wenn das bei dir auch so ist und ich würde zu dir sagen: „Du musst dich jetzt extern verpflichten.“ Würdest du dann nicht sehr wahrscheinlich die Gewohnheitsänderung gleich von vorne herein bleiben lassen?

In den meisten Fällen weißt du noch nicht, ob die neue Gewohnheit wirklich nützlich für dich ist. Das kannst du herausfinden, indem du die 30 Tages Challange machst.

In diesem Fall reicht eine Verpflichtung mit dir selbst in der Regel völlig aus. Wozu extern verpflichten? Es ist ja nur ein Test. Vielleicht kommst du nach 30 Tagen drauf, dass die neue Gewohnheit doch nicht das richtige für dich ist. Dann steckst du mit einer externen Verpflichtung erst recht in der Zwickmühle.

Und was ist, wenn du dich extern verpflichtest, es aber trotzdem nicht schaffst? Dann ist der Einsatz weg. Die Motivation, es vielleicht noch einmal zu probieren aber höchstwahrscheinlich auch. Und das wäre doch schade.

Fitness-Studios leben sehr gut davon, dass viele Menschen sich im Jänner mit dem Kauf einer Jahreskarte für ein Jahr “verpflichten”, spätestens aber im März nicht mehr hingehen und gerade deswegen ein schlechtes Gewissen haben.

Was du alternativ tun kannst und Zusammenfassung …

Siehe auch:

http://www.healthyhabits.de/externe-kontrolle-strategie-gegen-prokrastination/

 

 


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